Pressemitteilung Kreisdelegiertenkonferenz "Bildung" in Kornwestheim

Veröffentlicht am 07.03.2010 in Presse im Wahlkreis

SPD fordert Gemeinschaftsschule
Auf einer Kreisdelegiertenkonferenz diskutiert die Kreis-SPD mit dem renommierten Reformpädagogen Otto Herz über neue Wege in der Bildungspolitik

Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Kreisverband Ludwigsburg

Presseerklärung:
SPD fordert Gemeinschaftsschule

Auf einer Kreisdelegiertenkonferenz diskutiert die Kreis-SPD mit dem renommierten Reformpädagogen Otto Herz über neue Wege in der Bildungspolitik
Etwa 90? interessierte Genossen und Besucher fanden sich am Freitag um 19 Uhr im Galeriesaal im Museumsgebäude in Kornwestheim ein um mit dem Bielefelder Pädagogen und Psychologen Otto Herz und lokalen Vertretern der Bildungslandschaft über neue Lösungswege in der Bildungspolitik zu diskutieren.
Nachdem der Kreisvorsitzende Wolfgang Stehmer die Delegierten und Gäste begrüßte, stellte der Fraktionschef der Landes-SPD, Claus Schmiedel, das Bildungskonzept seiner Fraktion vor. So sieht der ehemalige Lehrer Schmiedel in vielen Bereichen akuten Handlungsbedarf.
Zuerst brauche es in den Kindergärten eine bessere Ausstattung und qualifizierte Betreuungskräfte. In der Grundschule spielt die individuelle Förderung zwar eine große Rolle; jedoch erzeugt die zu frühe Auslese nach der vierten Klasse einen immer größer werdenden Stress bei den Kindern, Eltern und Lehrern. Deswegen fordert die SPD ein längeres gemeinsames Lernen.
Nach der Grundschule wollen immer mehr Eltern ihre Kinder auf dem Gymnasium sehen. Durch die Einführung des achtjährigen Gymnasiums bedeutet dies für viele Kinder ebenfalls großen Stress, da sie den gleichen Stoff in acht statt neun Jahren lernen müssen. Die meisten Jugendlichen schaffen dies nicht ohne Nachhilfe und Unterstützung der Eltern. Deswegen forderte Schmiedel eine Entscheidungsfreiheit für Eltern. Ob ihre Kinder dann das Abitur in acht oder neun Jahren absolvieren, soll ihnen überlassen sein.
Durch die Einführung der Werkrealschule wird der Hauptschule nur ein neues Gewand übergestülpt. Die Probleme bleiben aber. Die Hauptschule ist de fakto eine „Restschule“, in der die Schwächsten oft ohne Perspektive ins Erwachsenenalter entlassen werden, meist ohne Aussicht auf eine Lehrstelle. Daran ändert auch die Werkrealschule nichts. Deswegen ist die zentrale Forderung der Landes-SPD eine Gemeinschaftsschule für alle, denn jeder junge Mensch mit einem Schulabschluss in Baden-Württemberg muss das Recht auf einen Ausbildungsplatz haben.

In seinem launig vorgetragenen Referat fragte Otto Herz zu Beginn, wie es sein kann, dass aus ihm, einen damals dummen, frechen, aufmüpfigen Jungen, der die Schule mit Ach und Krach so schnell wie möglich verließ, dann später doch noch ein hochbegabter Schüler, Pädagoge, Psychologe und Bildungsforscher werden konnte. Dass dies nicht einfach Zufall war, sondern Gründe hat, erklärte er den gespannt zuhörenden Genossen in seinem Vortrag. Ein Problem für ihn ist, dass „an unseren Schulen Kinder des 21. Jahrhunderts von Lehrern des 20. Jahrhunderts in einem Schulsystem des 19. Jahrhunderts unterrichtet werden“.
Wie können wir also unsere Schulen für die geänderten gesellschaftlichen Anforderungen und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts fit machen? Dafür benötigt es laut Herz einige Paradigmenwechsel.
Seiner Meinung nach gibt es keinen Menschentypus für eine bestimmte Schule. „Das gymnasiale Chromosom hat noch niemand entdeckt“. Deswegen ist es für ihn unerlässlich, dass die individuelle Begabung gestärkt werden muss. Das gelingt nur durch längeres gemeinsames Lernen. Denn je früher Bildungslaufbahnentscheidungen getroffen werden, desto stärker kommt der soziale Faktor ins Spiel. Und genau dies ist ein Hauptvorwurf der PISA-Studie an Deutschland. Wir brauchen also eine andere Schulkultur in einer anderen Schulstruktur, in der die Wahrnehmung der Lehrer auf die Schüler nicht defizit-gerichtet ist, was sich sehr demotivierend auswirkt, sondern begabungsgerichtet sein muss.
Die Schule kann den Begabungen aller Schüler gerecht werden, wenn sie eine Schule für alle ist, eine Schule der Vielfalt in der Gemeinschaft. Hierzu braucht es statt eines vorgegebenen Lehrplans einen individuellen Lernplan für jeden Schüler.

In der anschließenden Diskussion griffen dann Dr. Roland Bertet, Rektor der Uhlandschule Kornwestheim, Andreas Postl, Elternbeiratsvorsitzender des Ernst-Siegle-Gymnasiums Kornwestheim und Ute Falkenberg, Kreisvorsitzende der GEW sowie Claus Schmiedel die Vorschläge von Herz auf. So ist es für Andreas Postl wichtig den Stress durch das G8 zu entschärfen, hierfür braucht es auch mehr Lehrer. Ute Falkenberg bemängelt, dass das Land finanzielle Unterstützungen für Ganztagesschulen gestrichen hat. Sie forderte außerdem eine gleiche Vergütung für alle Lehrer. Roland Bertet ist der Ansicht, dass es auch noch mehr auf engagierte Schulleiter ankommt, „die auch mal sagen was Sache ist“.

Im Schlussteil der Veranstaltung verabschiedeten die Delegierten noch einige Änderungen im Kreisstatut der SPD.

Holger Köchel
Pressesprecher des SPD-Kreisverbandes Ludwigsburg

 

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