Engagierter Schlagabtausch mit Politikern

Veröffentlicht am 16.02.2011 in Landespolitik

Aus der LKZ vom 16.2.2011

250 Schüler der Berufsschule, der beruflichen Gymnasien und des Berufskollegs haben auf einer Podiumsdiskussion im Beruflichen Schulzentrum den Landtagskandidaten von CDU, FDP, Grünen und SPD auf den Zahn gefühlt. Gut verkauft hat sich die SPD – das ist zumindest das Ergebnis der vorläufigen Auswertung einer Umfrage unter den 250 Jugendlichen.

Einen „kräftigen Schlagabtausch“ hatte sich Gemeinschaftskundelehrer Heiko Weinhappl für die Podiumsdiskussion der Landtagskandidaten im Beruflichen Schulzentrum gewünscht – den hat er bekommen. Stellungnahmen und Antworten der Landtagskandidaten, die zur Verstärkung Nachwuchs aus den politischen Jugendorganisationen mitgebracht hatten, kommentierten die Schüler mit Beifall – aber auch mit Buh-Rufen.

Arbeit, Bildung und Umwelt waren die drei Themen, die den Schülern auf den Nägeln brannten. Im Bereich Bildung konnte die SPD punkten: „Die Bildung entscheidet über den Verlauf des Lebens: Gute Bildung bedeutet einen guten Job“, sagte Thomas Reusch-Frey. Der SPD-Landtagskandidat folgerte daraus: „Der Bildungsweg eines Menschen sollte kostenlos sein.“ Reusch-Frey forderte Sprachförderung schon im Kindergarten, Ganztagesschulen, Schulsozialarbeit und die Integration von Migranten. Unterstützt wurde der SPD-Politiker vom 21-jährigen Thomas Utz (Jusos), der sich die Abschaffung der Studiengebühren wünschte, was der gleichaltrige Achim Schober (Junge Union) mit den Worten kommentierte: „Nicht nur der Staat, sondern auch jeder Einzelne muss in sich selbst investieren.“

Thomas Utz kritisierte außerdem, dass „das ganze Schulsystem in Baden-Württemberg krankt.“ Es sei nicht durchlässig. Auch Daniel Renkonen (Grüne) „nervt, dass wir keine anderen Schulmodelle wie die zehnjährige Basisschule voranbringen.“ Ganz anders sah das Monika Chef (FDP): „Die Lebensläufe der hier Anwesenden zeigen doch, dass das Schulsystem durchlässig ist.“

Beispiel: Der 21-jährige Tufan Tok von den Jungen Liberalen, der sich von der Hauptschule zum Uni-Studenten hochgearbeitet hat. Für ihn zählt die Leistung des Einzelnen – „egal ob Deutscher, Italiener oder Türke“. Deutschland ist für ihn „ein rohstoffarmes Land. Unser einziger Rohstoff ist die Bildung.“ Weshalb die Ausgaben der schwarz-gelben Koalition für Bildung auch deutlich über dem Etat der rot-grünen Koalition liege.
Der Etat für Bildung – ein Thema, bei dem sich auch Rektor Stefan Ranzinger zu Wort meldete. Er wollte wissen, warum die Berufsschulen mit einem deutlich geringeren Etat auskommen müssen als die allgemeinbildenden Gymnasien, obwohl sie immer mehr Zulauf haben. Manfred Hollenbach (CDU) versprach zusammen mit Monika Chef, dass in der nächsten Legislaturperiode der steigenden Nachfrage Rechnung getragen werde. Der CDU-Politiker gab aber auch zu bedenken, dass alle Vorhaben real finanzierbar sein müssen. „Wir können nicht immer mehr Schulden machen, wir müssen den Staat organisieren wie eine Familie: nicht mehr Ausgaben als Einnahmen.“ Daniel Renkonen konterte: „Und dann bauen Sie für 10 Milliarden Euro Stuttgart 21?!“

Wahl: Nach der Diskussion hätten 36,7 Prozent der 250 Erstwähler die SPD gewählt, 28,3 Prozent die Grünen, 26,7 Prozent die CDU und 5 Prozent die FDP. Das ergab die vorläufige Auswertung einer Umfrage. Damit konnte sich die SPD deutlich steigern. Vor der Diskussion hätten 30,5 Prozent die Grünen gewählt, 28,1 Prozent die CDU, 21,6 Prozent die SPD und 7,4 Prozent die FDP.
Janine Damm

 

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